Kinderbeauftragter des Riedbergs — Ronald Bieber

Kinderbeauftragte Frankfurt

Frankfurt, 19.5.2020

Offener Brief der Frankfurter Kinderbeauftragten

Reaktionen

  • Für den 9. Juni 2020 hat die Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber die Kinderbeauftragten zu einem zweistündigen Treffen eingeladen
  • Am 27. Mai hat der hessische Sozialminister Kai Klose den Kindern in einem offenen Brief geantwortet (PDF).

an:
(1) Hessisches Ministerium für Soziales und Integration Kai Klose, Minister
Anne Janz, Staatssekretärin
(2) Hessisches Kultusministerium
Prof. Dr. R. Alexander Lorz, Minister
Dr. Manuel Lösel, Staatssekretär
(3) Stadt Frankfurt, Dezernat XI – Integration und Bildung
Sylvia Weber, Dezernentin

Sehr geehrte Frau Weber, sehr geehrter Herr Prof. Dr. Lorz, sehr geehrter Herr Klose, sehr geehrte Frau Janz, sehr geehrter Herr Dr. Lösel,

als Kinderbeauftragte in den Stadtteilen Frankfurt am Mains ist es unsere Aufgabe, die Wahrung der Rechte der Kinder zu unterstützen. Daher erlauben wir uns, in diesem offenen Brief den Kindern eine Stimme zu geben und aus ihrem Blickwinkel zu schreiben.


Seit zehn Wochen hat sich unser Leben sehr geändert. Vorher war Schule super wichtig und Kita oder Krippe sollten uns auf die Schule vorbereiten. Aber plötzlich durften wir nicht einmal mehr auf den Spielplatz, zu unseren Freundinnen und Freunden oder zu Oma und Opa.

Unsere Eltern haben uns das erklärt. Anfangs waren wohl viele ganz unsicher, was passieren würde. Jetzt aber wissen die Ärzte doch bestimmt schon viel mehr darüber, wie betroffen wir Kinder sind.

Derzeit sind wir die mit den meisten Verboten für unsere Bildung und Zukunft. Und unsere Eltern sind jetzt auch viel mehr gestresst als vorher. Für manche von uns ist das sogar richtig gefährlich. Niemand kann uns in der Schule mehr fragen, wo denn das blaue Auge herkommt oder warum ich so still bin. So merkt niemand, was bei mir zu Hause los ist.

Für uns fühlt es sich so an, als ob wir als letzte dran sind bei den Öffnungen. Restaurants, Möbelgeschäfte, Tattoostudios und die Bundesliga machen wieder auf. Für die meisten von uns dauert es noch bis Juni, bis wir wieder in unsere Schulen und Kitas dürfen. Und wenn es dann losgeht, dann werden wir wohl auch dann nur ein paar Stunden dort sein. Das finden wir ungerecht.

Im Supermarkt sehen wir, wie sich die Leute durch enge Gänge drängeln, während wir längst gelernt haben, wie man in den Ellenbogen niest. Warum denken manche Erwachsenen trotzdem, dass wir uns nicht an Regeln halten könnten? Dabei lernen wir doch schon im Kindergarten gemeinsam Regeln, so wie den Flüsterfuchs oder das Geschirr-Abräumen.

Wir finden es besonders ungerecht für die Kinder, die zu Hause keinen Computer, keinen Drucker oder kein WLAN haben. Die haben es eh schon schwer, und jetzt verlieren sie noch mehr den Anschluss. Einige unserer Freunde sind deshalb seit Beginn der Schulschließung nicht erreichbar, auch wenn sich die Mamas und Papas vieler sehr bemühen, das Homeschooling zu unterstützen.

Was wir uns wünschen

  • Schauen Sie sich die Daten zu Kindern und Corona an. Wir Kinder müssen nicht strenger behandelt werden als Erwachsene.
  • Reden Sie mit uns. In der hessischen Verfassung steht doch jetzt extra drin, dass wir bei Dingen, die uns betreffen, beteiligt werden müssen. Wann, wenn nicht jetzt? Erklären Sie uns in Worten, die wir verstehen, wie es weitergeht.
  • Die Spielplätze sind wieder offen. Super! Dann sollten Pausen auf dem Schulhof auch kein Problem sein.
  • Wenn für ein Kind Corona besonders gefährlich ist, dann soll es nicht in die Schule oder die Kita müssen. Aber alle anderen sollen dort hinkönnen. Und das nicht nur für einen Tag, um die Hausaufgaben zu kontrollieren, sondern an jedem Tag.
  • Lassen Sie auch die Kleinsten unter uns in die Kita. Zu Hause müssen wir oft still sein, weil die Geschwister Hausaufgaben machen oder unsere Eltern am Computer sind. In der Kita können wir spielen und mit unseren tollen Erzieherinnen und Erziehern mal reden, wenn wir Sorgen haben.
  • Helfen Sie bitte auch unseren Lehrerinnen und Lehrern. Viele sind voll toll und geben sich echt Mühe von Video-Treffen bis zu selbst gemachten YouTube-Videos, aber von anderen hören wir nichts. Die reagieren manchmal nicht mal auf E-Mails.
  • Alle, die es brauchen, müssen Computer oder so bekommen. Und auch Internet. Vielleicht können sie ja mit den Internetfirmen sprechen, dass die ein günstiges Internet anbieten und das Land das für einige Monate bezahlt bis wir wieder die ganze Zeit in der Schule sind.
  • Bitte denken Sie auch an die Sportvereine. Bewegung hält uns fit und für manche sind Trainer eine weitere wichtige Vertrauensperson.
  • Und vor allem: Bitte nehmen Sie uns Kinder als eigenständige Subjekte mit eigenen Interessen und Bedürfnissen ernst. Wir sind nicht nur Objekte, deren Betreuung oder Beschulung geklärt werden muss, sondern selbstständige Wesen mit Wünschen, Hoffnungen und Fragen!

Über eine Antwort in Worten, die wir Kinder gut verstehen, würden sich sicherlich alle Kinder in Frankfurt und Hessen sehr freuen.

Für die Kinder in Frankfurt:

Karin WilhelmAltstadt
Annette PassargeBockenheim
Darius ShafieiBornheim
Kira SchulerEckenheim
Heidi BachmeyerEschersheim
Karima HenssFrankfurter Berg
Dirk SchneiderGallus Nord und Europaviertel
Tobias MöllerGallus Süd
Rachid RawasGinnheim
Marion Weil-DöpelGoldstein
Antje Arold-HahnGutleut
Heidi SehlHarheim
Frau YawariHausen
Sandra SchmidtHeddernheim
Heike KarassavidisHöchst
Sara SteinhardtInnenstadt
Eva Maria LangKalbach
Kerstin MattigKuhwald / Rebstock
Andrea StenzelNied
Ingrid ReitzammerNieder-Erlenbach
Forough Hayatpour BonakiNieder-Eschbach
Dirk TrullNiederrad
Alexandra FegeNiederursel / Nordweststadt
Patric FoitNordend-Ost
Lorenz GempperNordend-West
Roland LimbergOberrad
Daniela WehrsteinOstend
Mia BaddePraunheim
Wera EiseltPreungesheim
Ronald BieberRiedberg
Simone KochRiederwald
Rolf RieckmannRödelheim
Armin StrobelSachsenhausen
Stefanie KriegerSeckbach
Claudia IlgSindlingen
Christina RingerWestend
Andre LeitzbachWesthausen
Susanne LangohrZeilsheim